Ein Early Adopter war ich nicht, okay. Und es dauerte Minuten, bis das Bild letztendlich hochgeladen war. Wie viele Megabyte es wohl fressen würde, und ob jemals versendet würde, hier draußen, so weit ab vom Schuss? Ich kurvte ein wenig durch Bonn und fand das alte Poststadion, das damals Brachland war und einige Monate später einem Einkaufszentrum wich. Ich schoss ein Foto mit meinem damals brandneuen iPhone 3GS und lud es sofort über die Posterous-App hoch, die den Status automatisch mit Facebook und Twitter teilen würde. Gespannt schaute ich zu Hause am Rechner, wie das Bild wohl in der Facebook-Timeline aussehen würde.

Gerade einmal drei Jahre ist das jetzt her.

Das teilte mir heute die tägliche Memolane-Rundmail mit. (Übrigens ein Dienst, den ich euch empfehlen kann, wenn ihr ähnliche Überraschungen erleben wollt.)

Heute lacht ihr, aber „damals“ war das noch nicht selbstverständlich, und es zeigt, wie sehr sich die Welt bis dahin verändert hat. Das iPhone gab es damals überhaupt nur zu hoch dotierten Knebelverträgen bei der Telekom, und es hatte damit etwas Exklusives. Ein konkurrenzfähiges Smartphone der anderen Anbieter gab es praktisch nicht. Das HTC G1 („Dream“), das erste verfügbare Android-Handy, war da in Deutschland gerade erst ein halbes Jahr auf dem Markt und an einen ähnlichen Knebelvertrag der Telekom gebunden. Samsungs wohl erster echter iPhone-Konkurrent, das gleich aussehende Galaxy S, gab es erst Mitte 2010 zu kaufen. Dass man Bilder direkt über das 3G-Netz auf Facebook hochlud, war die Ausnahme.

Und heute?

Heute ärgern sich einige, dass ihr sieben Monate altes iPad 3 mit Retina-Display schon wieder veraltet ist. Heute ärgere ich mich, wenn mein Smartphone Multitasking schlecht beherrscht oder der automatische Weißabgleich der Kamera mal wieder spinnt. Heute ist das Teilen von Bildern von unterwegs derart alltäglich, dass man sich vorkommt, als hätte man das vor zehn Jahren schon getan. Mal eben von unterwegs ein paar Bilder hochladen, Freunde kommentieren lassen, Kunstfilter verwenden – macht beinahe jeder, der ein Smartphone hat. Dabei hatte die große Mehrheit vor zwei Jahren noch keins.

Einfache, leidlich ausgerüstete Smartphones gibt es heute ab 100 Euro zu kaufen (auch wenn ich zu höheren Investitionen raten muss), Samsung hat Apple bei den Marktanteilen überholt. Begehrt ist das iPhone zwar nach wie vor; exklusiv ist es aber schon lange nicht mehr. Samsung, HTC, Motorola, LG, Nokia – jeder hat vergleichbar gute oder anhand der technischen Eigenschaften bessere Geräte im Angebot. Facebook wurde von der Masse der mobilen Nutzer derart überrumpelt, dass das eigene Werbegeschäft in Gefahr geriet. Posterous hingegen hat es leider nicht geschafft, gegen Tumblr oder WordPress anzukämpfen und liegt nach einer Übernahme durch Twitter mittlerweile in den letzten Zügen.

Drei Jahre.

Drei verdammte Jahre, bis etwas halbwegs Elitäres Alltag geworden ist. Was wird dann in drei Jahren sein? Werden wir uns dann überhaupt noch daran erinnern können, jemals mit einem Laptop gearbeitet zu haben? Oder daran, jemals etwas hochgeladen zu haben, weil Livelogging das dann für jeden automatisch übernimmt? Oder werden wir den Trend bis dahin längst verinnerlicht haben und in einer Welt leben, die gamifiziert und komplett automatisiert ist? Ich bin gespannt, wenn Memolane mich in drei Jahren an dieses Posting erinnert – wenn der Dienst bis dahin überlebt.