Sehr interessantes Interview mit Ryan Holiday, das ich heute in der „FTD“ las. Gefunden zunächst in der „W&V Morgenpost“:

Oder auch anders ausgedrückt, Holiday im FTD-Interview:

Nun, vor allem Onlinemedien müssen 24 Stunden am Tag Inhalte liefern. Das setzt falsche Anreize: Für Journalisten lohnt es sich eher, zu spekulieren und Texte einfach rauszuhauen – als womöglich nichts zu schreiben über eine Geschichte, in die sie Zeit investiert haben, die sich aber als haltlos erweist. Sie müssen ein Fass ohne Boden füllen. In ihrer Verzweiflung greifen sie sogar auf offensichtlich gefälschte Geschichten zurück – wenn sie gut erfunden sind. Und da komme ich ins Spiel.

Und was ich fast am interessantesten finde: Was die „W&V Morgenpost“ im obigen Zitat mit „(…)“ herausgekürzt hat. Holiday:

Wir haben in den USA ein System von Blogs, die eigentlich Medienunternehmen sind, mit Bloggern, deren Bezahlung sich nach dem generierten Traffic richtet.

Nur in den USA? Träumt weiter! Und wenn nicht nach Traffic, dann richtet sich die Bezahlung oft nach der Zahl der Wörter.

Bevor ihr jetzt Online-Journalisten und Bloggern oder auch den Verlagschefs an die Kehle springt, denkt daran: So ein System baut niemand alleine auf. Es entwickelt sich über die Jahre und jeder spielt mit, weil er muss. Mal eben aussteigen und alles anders machen? Geht nicht von heute auf morgen. Immerhin, und das ist die gute Nachricht: Zu jedem Trend gesellt sich früher oder später ein Gegentrend. Irgendwann, wenn man der ganzen Soße überdrüssig geworden ist, schlägt das Pendel um. Dauert nicht mehr lange.

P.S. Die Bezeichnung „Hamsterrad“ stammt übrigens aus einem Interview, das ich kürzlich noch auf Basic Thinking mit dem Journalisten Thomas Reintjes führte. Der ist leider mit dem Versuch, ein Crowdfunding-Portal für Qualitätsjournalismus zu finanzieren (Feodo) mangels Interesses im ersten Versuch gescheitert.

Immerhin, er versucht es weiter!