Wie würde ich reagieren, wenn man eine meiner Leidenschaften durch den Kakao zöge? Tischtennis, Mountainbiken, Werder Bremen? Freuen würd’s mich wohl nicht, aber jenseits der 30 wird man gelassener, was die eigenen Vorlieben und die der anderen angeht. Klettern ist cooler als Tischtennis? Ja, dann viel Spaß damit! Dein Verein ist gerade Erster? Glückwunsch, war ja nicht immer so. Mach du deins, ich mach meins.

Im Netz äußert man sich anders.

Eine Autorin der Online-Ausgabe von Brigitte.de verfasste vergangene Woche zwei glossenhafte Absätze (mehr nicht) gegen Skateboardfahrer über 25. Tenor: Werd erwachsen. Ab einem gewissen Alter spielten Männer Fußball oder führen Autos, aber kein Skateboard mehr.

Sie schrieb unter anderem: „Bei Männern jenseits der 25, die ein Board zwischen sich und das Pflaster kleben, sehe ich nur noch Rot. (…) Am liebsten würde ich die am ergrauten Schopf packen und anschreien: „Hör auf damit! Dafür bist du zu alt.“ Skateboards gehören zu kleinen Jungs. Basta. Nicht zu Menschen, die selbst Steuern zahlen und beim Orthopäden in Behandlung sind.“

Nun ja, dem muss man nicht zustimmen. Genau genommen muss man es nicht einmal lesen. Als Mann schon gar nicht, denn es stand in der Online-Ausgabe einer Frauenzeitschrift, die sich nicht umsonst an ein weibliches Publikum richtet. Ja, Gleichberechtigung, ja, 70 Jahre Alice Schwarzer. Aber unterschiedliche Interessen kann es ja vielleicht trotzdem geben, soll möglich sein.

„Arroganz und Überheblichkeit“

Las man den Text doch, durfte man gerne gegenteiliger Meinung sein. Man hätte ihn mit einem Lächeln abtun, darüber den Kopf schütteln oder ihm zustimmen können. Immerhin war es eine Glosse. Das hat nicht funktioniert. Statt dessen finden sich mittlerweile mehr als 2.000 Kommentare hauptsächlich männlicher Absender darunter wieder, die unter anderem Folgendes schreiben (Orthografie jeweils übernommen):

Landpomeranze ohne Plan. Schickt die Alte zurück nach hinterpfuiteufel.

 

Was für ein sinnloser Artikel und zudem auch noch schlecht geschrieben, kein Funken Humor und so ganz ohne Stilistische Feinheiten geschrieben…
Dumme Frage: wie sieht´s mit Frauen über 25 aus, die noch immer skateboardfahren? sind die auch in ihrer Pubertät hängengeblieben? Was für eine Arroganz und Überheblichkeit der Autorin, nur, weil sie nicht verstehen kann, dass nicht alle Menschen auf gleiche Art und Weise Spaß haben und ihr Leben gestalten…

 

Selten so einen engstirnigen und schlechten Artikel gelesen.
„Skateboards gehören zu kleinen Jungs.“ – soll das etwa ein Argument sein?
Ich bin echt fassungslos und mir fehlen die Worte.
Wie kann man sowas veröffentlichen?

 

Gut, Meinung ist Meinung und nicht Gesetz, aber dieser Artikel ist mit engstirnig nur unzureichend beschrieben. Warum kann in einem freien Land nicht einfach jeder dem Hobby nachgehen, das ihm am meisten Spaß macht?

 

Ich möchte gerne Danke sagen. Danke dafür, dass sie ihre Meinung mit uns geteilt haben. Wo kämen wir denn hin, wenn nicht auch jemand eine Gegenposition einnehmen dürfte?
Im groben betrachtet mögen sie mit ihren Äußerungen sogar recht haben, nur sollten sie vielleicht beim nächsten Mal den Blick auch für eine größere Entwicklung offen halten. Die Generationen bewegen sich immer stärker auseinander …

 

Und von einem „Modeaccessoires“ zu sprechen ist die größte Unverschämtheit. Dieser Sport existiert länger als du lebst und das auch sehr erfolgreich. Also halte dich in deinen armseligen Kommentaren zurück und versuche erst einmal zu verstehen was dieser Sport bedeutet und fange danach an zu kritisieren.

 

Haha ich kann einfach nur lachen !! Nur leider sind genau solche Artikel und Frauen dafür verantwortlich das immer mehr Kinder eine Erziehung genießen die garkeine ist. Den was macht ein kleiner bub/ mädl denn wenn zuhause niemand ist der auf sie aufpasst. es vegetiert vor sich hin .Dem Emanzipationsgedanke sei dank. Resultat ist eine völlig verblendte gesellschft ohne moral und tugenden. lauft doch einmal durch die stadt und schaut euuch um es ist furchtbar das mit AnzusehEn. Das es das schmierblatt igitte ist wundert mich nicht könnte mir sogar vorstellen das die eng mit Frau Alice Schwarzer Zusammenarbeiten. Ich hasse euch gemeinschaftszerstörende Menschen!!!!

Nun, dass ich derartige Kommentare kenne, beschrieb ich ja neulich erst an dieser Stelle. Ich wundere mich in dem Fall ein wenig über das Zustandekommen. Männer fallen über die Autorin einer (ich muss es noch einmal betonen) Frauenzeitschrift her, nennen sie engstirnig und intolerant und sprechen ihr gleichzeitig das Aufenthaltsrecht für ihren Stadtteil und ihre Qualifikation für den Beruf ab. Hm…

Interessanterweise hat Sascha Lobo heute in einem ähnlichen Beitrag das Thema Netz-Hass wieder aufgegriffen und einige der Kommentare rezitiert, die weiblichen Mitgliedern der Piratenpartei geschickt worden sind und die ich hier nicht noch einmal wiedergeben möchte. Ist das ganze vielleicht sogar ein Geschlechterproblem? Dass Männer sich im Netz gehässiger äußern als Frauen, ist mir schon mehrfach aufgefallen.

Kein Zweifel: Der Hass ist da und äußert sich eben dort, wo man ihm am einfachsten Luft machen kann: anonym im Netz. Die Brigitte-Redaktion verfasste mehrere Updates, die inzwischen deutlich länger sind als der Ursprungstext. Auch zu einer Entschuldigung sah man sich dort veranlasst. Weil der typische männliche Leser einer Frauenzeitschrift nicht mit der Engstirnigkeit einer Autorin zurecht kam. Ah ja.

Ab jetzt nur noch harte Fakten?

Verlierer sind in diesem Fall der Journalismus und die freie Meinungsäußerung. Klar, die Welt wäre bestimmt eine bessere, wenn wir statt Glossen jetzt nur noch harte Nachrichten schrieben. Harte Fakten über die besten Weihnachtsgeschenke, Kunst und Kultur. Her damit! Und ja, jeder kann seine Meinung nach wie vor im Netz Kund tun. Aber er muss dann auch damit rechnen, dafür zersägt zu werden. Wer traut sich dann überhaupt noch, seine Meinung öffentlich zu äußern? Unter seinem eigenen Namen? Gerade, wenn man mal eine etwas unbequemere Position vertritt?

Hajo Schumacher traute sich heute. Er verglich Apple mit Nordkorea. Weil er das schon einmal gemacht hatte, weiß er, worauf er sich da einlässt und dass Kritik an Apple immer Hass auf die eigene Person nach sich zieht. Das zu tun, mag töricht klingen. Es wird schon für hohe Klickzahlen sorgen. Ein dickes Fell braucht er dafür aber auch.

Nun ja, und das ist es eben. Wer im Netz etwas veröffentlicht, braucht ein dickes Fell. Im Grunde galt das für Journalisten schon immer. Jetzt gilt es auch für jeden anderen, der etwas für alle sichtbar veröffentlicht. Besinnen wir uns da zurück auf den Ursprung und lernen, damit umzugehen. Die Leute kritisieren, werden persönlich. Lasst sie reden und gebt nicht zu viel darauf.