Ich bin zunehmend von Menschen umgeben, die das Wort „zumindestens“ verwenden, eine Kombination aus „zumindest“ und „mindestens“, die wie „zumindest“ benutzt wird. Der Sprachpapst in mir will das dann jedes Mal am liebsten korrigieren, denn dieses Wort gibt es nicht.

Das heißt, Moment, das Wort steht nicht im Duden. Aber dort stand ja auch „moin“ sehr lange nicht, was keinesfalls bedeutete, dass es den nordischen Gruß nicht gegeben hätte. „Zumindestens“ hat immerhin einen Eintrag bei Wiktionary, selbst wenn dort steht:

„Dieses Wort existiert lediglich in der Umgangssprache und ist streng genommen falsch.“

„Streng genommen“. Aber wer sagt denn, dass man alles immer streng nehmen muss? Was haben wir davon, immer alles streng zu nehmen, so ernst zu sein? Sprache ist lebendig, warum sträuben wir uns gegen Veränderungen?

Was interessant ist: Für „zumindestens“ finden sich Einträge beim Übersetzungsdienst Linguee, im Online-Wörterbuch dict.cc (mit dem Hinweis, es sei falsch) und ein Forums-Eintrag bei Pons. Auch im Zwiebelfisch-ABC hat „zumindestens“ einen eigenen Eintrag mit Hinweis auf den kleinen Bruder „zumeistens“.

Neulich ertappte ich mich selbst dabei, wie ich einmal aus Versehen „zumindestens“ sagte. Der Einfluss meiner Mitmenschen färbt auf mich ab. Und ich erlebte auch, dass ich mich seitdem weniger daran störte, wenn jemand, mit dem ich sprach, „zumindestens“ sagte. Bei einem Wort, das derart häufig verwendet und gegoogelt wird (1,7 Millionen Mal!), sollte es in Ordnung sein, es zu verwenden. Zumindestens in der gesprochenen Sprache.