Der alte Weg war gar nicht mal so schlecht: Lern was, finde eine gute Stelle, bei der du deine 2.000 bis 3.000 Euro brutto verdienst, nach und nach weiter aufsteigst, noch mehr verdienst und dann irgendwann mit Anfang 60 aufhörst und eine gute Rente genießt.

Dieser Weg steht mir nicht mehr offen, obwohl ich was Anständiges gelernt habe.

Die Rentenkassen sind längst ausgeplündert, wer angestellt ist, arbeitet zu viel ohne dafür entsprechend entlohnt zu werden. Von dem bisschen, was wir verdienen, sollen wir 500 bis 1.000 Euro zur Seite legen, um mit einer privaten Altersvorsorge noch einen ordentlichen Lebensabend zu feiern, vorausgesetzt, die Inflation frisst sie nicht vorher auf.

Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass dieser Weg jemals wieder gangbar wird. Wir müssen selbst vorsorgen, unseren eigenen Weg gehen. Für den althergebrachten Karriereweg bedeutet das allerdings, dass er überholt ist: Lernen, um zu arbeiten, ist der falsche Weg. Arbeiten um zu lernen, trifft es eher. Aber muss man zwingend arbeiten um zu lernen?

Was würde ich heute jemandem raten, der gerade sein Abi gemacht hat? Studium, Ausbildung, dann hoffen, verbeamtet zu werden oder bei McKinsey & Co. eine gute Stelle als Berater zu ergattern und dann irgendwo in einem mittelständischen Unternehmen als übellauniger Chef im mittleren Management zu enden?

Der Karriereweg der Zukunft sieht in meinen Augen eher anders aus und lässt sich auf eine einfache Formel herunterbrechen:

1. Entwickle ein Geschäftsmodell. Finde irgendwas, was die Menschheit da draußen noch braucht und womit du Geld verdienen kannst.
2. Eigne dir die dafür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten an.
3. Vernetze dich. Das kann Punkt 2 deutlich vereinfachen: Du musst nicht alles lernen. Tu dich mit Leuten zusammen, die die notwendigen Kenntnisse haben, die dir selbst fehlen.
4. Entwickle das Produkt.
5. Marketing, Marketing, Marketing. Die Welt muss davon erfahren. Nutze das Netz und deine Kontakte dafür.
6. Verkaufe das Produkt und verdiene viel Geld damit, investiere es gut und erschaffe dir damit deine eigene Altersvorsorge. Denn der Staat wird dir dabei nicht helfen.

Das Netz hält mittlerweile eigentlich alles dafür bereit, um diese Voraussetzungen zu schaffen. Es gibt Social Networks und Veranstaltungen, um dich mit spannenden Leuten zu vernetzen und Produkte bekannt zu machen. (Aber vernetze dich nie nur des Vernetzens wegen! Lass die Leute mit Dingen in Ruhe, die sie nicht interessieren und entwickle etwas wirklich Gutes!) Um es dann zu verkaufen, gibt es Lösungen noch und nöcher. Und dank Tutorials kann man online Kenntnisse erwerben, verbessern oder gleich ganz studieren. Das Netz hilft dabei.

Der Punkt, der dabei am schwierigsten ist? Ich würde sogar sagen: Punkt 1. Erst einmal etwas zu finden, was die Welt braucht, das noch niemand vor dir gemacht hat und was sich dann auch noch gut verkaufen lässt, will erst einmal gefunden werden.

Der Punkt, der dabei am aufwändigsten ist? Punkt 3. Vernetzen bedeutet nicht, wahllos Follower auf Twitter, Facebook oder Stammtisch-Vertreter auf Xing auf die Liste zu setzen, sondern Leute wirklich kennenzulernen und sie von der eigenen Idee oder Person zu begeistern. Das kann Jahre dauern.

Und nun? Studieren oder nicht, was würdest du sagen? Unbedingt – wenn das Studium zielführend ist. Studiert nicht BWL, weil ihr damit nachher gut in ein Unternehmen einsteigen könnt. Studiert etwas, was euch interessiert und um das notwendige Wissen und die Fähigkeiten aufzubauen, die ihr für eure Ideen braucht. Wenn euch etwas Spaß macht, dann steigt die Chance, dass ihr gut darin werdet und dass ihr dafür Geschäftsideen entwickelt, die sich umsetzen lassen, auch wenn es mit der eigentlichen Karriere nichts wird.

„Ja, aber?! Ich bin gar kein Geschäftsmann, ich brauche mein Nine-to-Five, oder eher Eight-to-Seven, ich mag meinen Beamtenjob oder mein Angestelltenverhältnis.

Dann spricht ja auch nichts dagegen, das eine Weile zu tun, dabei zu lernen, gut darin zu werden, sich mögliche Verbesserungen einfallen zu lassen. Natürlich kann man auch heute noch im Angestelltenverhältnis Karriere machen, aber es ist schwieriger, weniger wahrscheinlich geworden. Harte Arbeit reicht nicht mehr, um sich einen Namen zu machen, die wird sowieso vorausgesetzt. Und selbst der beste, loyalste Angestellte denkt sich irgendwann: „Mensch, das könnte ich doch selbst besser als mein Vorgesetzter, dieser Depp. Warum mache ich das nicht einfach selbst und künftig auf eigene Rechnung?“

Und jetzt kommt die Pointe: Ich selber diene hier als schlechtestes Beispiel. Ich bin ebenfalls nach wie vor gefangen in dem historischen Denken, dass das Angestelltsein schon irgendwie das Richtige ist. Haben meine Eltern ja auch schon gemacht usw. Aber ich gebe mich keinen Illusionen mehr hin, dass das so mit einer ansprechenden Rente noch etwas wird. Rund 500 Euro bekäme ich, wenn alles so weiter läuft, wie bisher. Weitere 1.000 Euro im Monat will und kann ich nicht zurücklegen. Ich bin irgendwie dazu gezwungen, mit einer guten Geschäftsidee noch groß rauszukommen und ich bin noch nicht einmal gut genug vernetzt dafür. Mein einziger Vorteil ist, dass ich das im Unterschied zu euch schon erkannt habe. 😉

Bild: Ding Yuin Shan unter CC-Lizenz BY 2.0