Gestern wollte ich Schuhe kaufen, und das ist für mich nicht immer ganz einfach: Ich habe Größe 46, oft auch 47. Viel Auswahl gibt es in diesen Sphären nicht mehr. Aber irgend etwas habe ich eigentlich bisher immer gefunden. Also trollte ich mich gestern in die Bonner Fußgängerzone, klapperte zehn Geschäfte ab und fand – nichts. Es gab wie immer schöne Modelle in anderen Größen, es gab attraktive Angebote, aber nichts, was mir gepasst hätte.

Dem Erlebnis setzte eine Verkäuferin die Krone auf. Auf meine Frage, ob es ein gewünschtes Modell auch in 46 gäbe, sagte sie: „46?! Nein. Die bekommen wir nur noch bis 45. Ich weiß noch nichtmal, ob die überhaupt noch bis 46 hergestellt werden.“ Na, schönen Dank auch. Also, ab nach Hause und das Internet angeschmissen. Was blieb mir jetzt noch anderes übrig, als mir Schuhe online zu kaufen. Vielleicht sogar bei den kritikwürdigen Großhändlern mit dem großen Z?

Dabei wäre es so einfach gewesen. Das Showrooming war erfolgreich. Ich fand schöne Schuhe, bequeme Schuhe, die Preise waren in Ordnung, das Personal erfreulich unaufdringlich und hilfsbereit. Es war nur die Größe vergriffen, die ich brauchte. Kein eigentlich so großes Problem also. Ich wollte meine Ware dort kaufen, aber ich konnte nicht.

In einem Schuhgeschäft fielen mir die großflächigen, an allen Ecken und Enden angebrachten Hinweise auf den Online-Shop des Kaufhauses auf. Und auch die Verkäuferin beriet die Kunden so: „Wenn Sie die Schuhe hier im Laden nicht in Ihrer Größe finden, dann gehen sie einfach online und kaufen sie dort.“ Gar nicht dumm, der Laden hat dazu gelernt, ist einen ersten Schritt in die richtige Richtung gegangen. Mit einem zweiten hätte er das große, böse Z sogar noch übertroffen.

Was macht der Kunde, wenn er die gewünschte Ware im Laden nicht findet und auf den Online-Shop des Händlers verwiesen wird? Er geht online, sucht das Modell – vergleicht die Preise mit anderen Onlineshops und kauft schließlich beim billigsten. Besser, für beide Seiten, wäre folgende Herangehensweise: Der Kunde wendet sich an den Verkäufer, fragt nach der Größe. Der Verkäufer entschuldigt sich, dass das Geschäft die Größe aktuell nicht vorrätig habe und bietet dem Kunden Folgendes an:

„Wenn Sie dieses Modell wollen, registrieren Sie sich kurz an unserer Kasse und geben diesen Schein dort ab, den ich gerade für Sie vorbereite. Unser Zentrallager liefert Ihnen dann das gewünschte Modell* in der richtigen Größe* bis morgen* direkt nach Hause. Zahlen können Sie vorab an der Kasse oder später per Rechnung.“

Und fertig. Das Geschäft würde mir die Arbeit abnehmen, ich bekäme meine Schuhe genauso schnell wie oder schneller als bei einem Onlinekauf und käme gar nicht auf die Idee, die Schuhe irgendwo anders zu bestellen. Kann das funktionieren? Ich zumindest hätte mich gestern sehr über einen solchen Service gefreut.

*Der Händler, der das Erlebnis perfekt machen will, liefert dem Kunden alle gewünschten Modelle in der bestellten Größe und vielleicht zusätzlich sogar noch eine Größe größer, um auf Nummer sicher zu gehen. Er könnte dem Kunden einen Kurierservice anbieten, der die Schuhe noch am gleichen Tag vorbei bringt und die nicht benötigten später wieder abholt. Zahlen könnte der Kunde entweder an der Kasse oder auch später per Lastschrift/Kreditkarte/PayPal usw.

Notwendig dafür ist natürlich ein großes, flexibles Lager mit entsprechendem Personal. Also nichts, was jedes kleine Schuhgeschäft mal eben stemmen könnte. Größere allerdings schon.