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Diesen Satz habe ich zum Glück bisher noch nie von einem Chef oder Auftraggeber gehört. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das auch so schnell nicht werde. Weil er nämlich nicht stimmt. In der Praxis zumindest nicht.

In der Theorie mag das so sein: Es gibt etliche freie Journalisten, auch Technikjournalisten. Und sicherlich sind auch viele darunter, die etwas von Gadgets, dem Netz oder Startups verstehen und vielleicht sogar besser sind als ich. Es gibt nur einen Haken bei der Sache:

  • Sie sind nicht immer verfügbar.
  • Sie sind dem Medium, für das ich arbeite, möglicherweise gar nicht bekannt.
  • Sie sind vielleicht nicht flexibel oder ortsungebunden.
  • Sie kennen das Medium, für das ich schreibe, vielleicht gar nicht.
  • Sie wären womöglich mit der Bezahlung nicht einverstanden.
  • In jedem Falle aber kosten sie den Arbeitgeber mehr als mein Monatsgehalt.

Zumindest würden meine Auftraggeber ein finanzielles Risiko eingehen, wenn sie mich durch jemand anderen ersetzen würden. Vielleicht kostet ein potenzieller Neuling wirklich weniger. Aber wie kann ein Auftraggeber sicherstellen, dass jemand bis dato Unbekanntes für weniger Geld die gleiche Qualität in der gleichen Zeit liefert? Er kann es nicht. Und was er auf jeden Fall müsste: den Neuling einlernen. Ich habe schon bei vielen Jobs Leute kommen und gehen sehen aber noch niemanden, der vom ersten Tag an alle Feinheiten und Kniffe der jeweiligen Tätigkeit sofort beherrschte. All das kostet einen Arbeitgeber Geld und das wird er nicht ausgeben wollen, wenn er mit eurer Leistung zufrieden ist.

Ich mag meinen Job, ich brauche meinen Job, um davon zu leben. Deswegen habe ich immer versucht, mich möglichst gut mit meinem jeweiligen Auftraggeber zu stellen. Substanzielle Klagen kamen mir dabei bisher nie. Alles, was ich tat und tue, ist das:

Ich liefere dauerhaft Beiträge zum vereinbarten Zeitraum in der gewünschten Qualität und Menge. Wenn ich gebeten werde, aufgrund von Engpässen Mehrarbeit zu leisten, dann tue ich das (bis zu einem gewissen Punkt). Wenn ich einen Verbesserungsvorschlag habe, dann äußere ich ihn. Ich bin bereit zu lernen, bilde mich weiter und bin stets offen für Neues.

Das ist alles. Und damit bin ich in den gut zehn Jahren meiner Karriere bisher sehr gut gefahren.

Ich höre Einwände von eurer Seite. Gut, gehen wir sie mal durch:

1. Das ist doch maximal ein Ausreichend, was du da zeigst! Ein Auftraggeber will mehr.
– Ist das wirklich nur ausreichend? Ich liefere gute Texte ab, hin und wieder ist sicherlich auch etwas sehr Gutes darunter. Es stimmen Qualität, Pünktlichkeit und Stückzahl. Und es kommen noch Innovationsvorschläge obendrauf. Klar: Das Optimum wäre jeden Tag ein Pulitzerpreis-verdächtiger Text. Das zu liefern, ist aber gar nicht möglich.

2. Das kann doch jeder!
– Dachte ich auch mal. Aber ich habe mittlerweile in verschiedenen Jobs so viele Kollegen kommen und gehen sehen, von denen die meisten eben das oder eins davon nicht gezeigt haben. Sie haben zu einem vereinbarten Zeitpunkt eben nichts oder nur einen Text in enttäuschender Qualität geliefert. Sie haben Versprechungen gemacht, die sie hinterher nicht halten konnten. Sie waren auf Dauer mit dem Honorar doch unzufrieden. Sie haben sich schnell mit einem Vorgesetzten überworfen. Oder sie haben sich irgendwann gar nicht mehr gemeldet. Es gibt heroische Ausnahmen, auf die man sich zu allen Tages- und Nachzeiten verlassen konnte, aber das waren wirklich Ausnahmen.

3. Das mag vielleicht in deinem Job gehen, weil es da eben doch nicht so viel Konkurrenz gibt. Aber bei mir in der Kreativagentur/ bei der Burgerbraterei/ an der Kaufhauskasse sieht das anders aus.
– Wirklich? Gut, seien wir ehrlich: Es gibt Überflieger in beinahe jedem Hause, die hoch hinaus, in spätestens einem Jahr einen leitenden Posten inne haben oder sogar zum Chef aufsteigen wollen. Das ist nicht mein Anspruch. Ich will meinen Job gut machen, ordentlich dabei verdienen und langfristig vielleicht in eine Position kommen, in der ich weniger schreiben und mehr organisieren kann. Bis dahin bin ich zufrieden mit einer ausgeglichenen Work-Life-Balance. Wenn ihr damit zufrieden seid, dann reicht es aus, wenn ihr euren Job ordentlich, leidenschaftlich und zuverlässig macht. 90 Prozent der Chefs werden damit zufrieden sein.

Ich bin natürlich nicht davor gefeit, aus betrieblichen Gründen gekündigt oder sonstwie rationalisiert zu werden, klar. Das ist niemand. Aber dass ich durch jemand Anderen ersetzt werde, nur weil der weniger kosten und dabei mehr können würde, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Die Gefahr ist für einen Arbeitgeber zu groß (sprich: zu teuer), einen zuverlässigen, tüchtigen Mitarbeiter durch etwas Ungewisses zu ersetzen.

4. Und was ist, wenn nun wirklich einer kommt, der drei Sprachen mehr spricht, zehn Jahre mehr Berufserfahrung hat, dabei fünf Jahre jünger ist, drei Grimme-Preise vorweisen kann, trotzdem tausend Euro weniger im Monat verlangt und dabei noch besser aussieht?
– Dann würde ein Arbeitgeber vermutlich versuchen, eine Stelle für ihn zu schaffen und vielleicht sogar – wenn es ganz böse kommt – einen unzuverlässigen, wenig tüchtigen Mitarbeiter für ihn „opfern“. Aber irgendetwas sagt mir, dass derart viele Angebote bei euren Chefs nicht eintreffen werden. Und dass, wenn das passiert, es nicht euch erwischt. Denn ihr leistet ja gute Arbeit in guter Qualität.

Eine Garantie gibt es natürlich nie, auch von mir nicht. Es gibt allerdings auch keinen Grund, sich zu schlecht zu machen und in ständiger Angst zu leben. So leicht werdet ihr nicht ersetzt, wenn ihr gut seid. Habt keine Angst!

Bild: Chris Conway, Hilleary Osheroff via Flickr, Creative-Commons-Lizenz BY-SA 2.0