Warum Google den Smartphone-Krieg gewinnen wird

Früher:

– „Jürgen, du kennst dich doch mit Handys aus. Kannst du mir da was empfehlen? Ich will mir jetzt nämlich auch ein Smartphone kaufen. Ein paar hab ich mir schon angeschaut, aber es gibt da ja unendlich viele. Was würdest du mir raten?“
– „Hm, also zunächst mal würde ich fragen, wie groß es sein soll und was du alles damit machen willst. Willst du möglichst viel Freiheit, Dinge selbst konfigurieren und die größte Auswahl, dann würde ich dir Android empfehlen. Willst du eine einfache Bedienung, die neuesten Apps, regelmäßige Updates und auf Nummer sicher gehen, dann hol dir ein iPhone. Windows Phone kann ich inzwischen auch empfehlen, und vielleicht lohnt es sich sogar, auf die neuen Blackberrys zu warten… Android sagst du? Dann hat Samsung natürlich sehr viele zur Auswahl, HTCs One-Serie kann ich auch sehr empfehlen. Ist natürlich auch immer eine Frage des Geldbeutels. Sony ist auch immer einen Blick wert und wenn der Akku ewig halten soll, dann kommt vielleicht auch Motorola in Betracht… Hm, nee das ist schon fast zwei Jahre alt. Sicher nicht schlecht, aber die neuen sind meist deutlich dünner und trotzdem besser. Weißt was. Du machst dir ein paar Stichpunkte, was dir wichtig ist und welche Modelle du schon gesehen hast und was dir so vom Aussehen her gefällt. Dann schreib mir ne Mail und ich melde mich bei dir. Natürlich musst du letztendlich aber für dich selbst entscheiden…“

Heute:

– „Jürgen, du kennst dich doch mit Handys aus. Kannst du mir …“
– „Nexus 4.“

Sag deine Meinung – wenn du dich traust

Wie würde ich reagieren, wenn man eine meiner Leidenschaften durch den Kakao zöge? Tischtennis, Mountainbiken, Werder Bremen? Freuen würd’s mich wohl nicht, aber jenseits der 30 wird man gelassener, was die eigenen Vorlieben und die der anderen angeht. Klettern ist cooler als Tischtennis? Ja, dann viel Spaß damit! Dein Verein ist gerade Erster? Glückwunsch, war ja nicht immer so. Mach du deins, ich mach meins.

Im Netz äußert man sich anders.

Eine Autorin der Online-Ausgabe von Brigitte.de verfasste vergangene Woche zwei glossenhafte Absätze (mehr nicht) gegen Skateboardfahrer über 25. Tenor: Werd erwachsen. Ab einem gewissen Alter spielten Männer Fußball oder führen Autos, aber kein Skateboard mehr.
Weiterlesen

Dieser Hass

Vier Wochen ist es jetzt her, seit ich Basic Thinking verlassen habe. Es kommt mir länger vor. So unwirklich wirkt die Zeit seitdem, so ganz anders. Ich hätte lange nicht sagen können, warum genau. Da schnappte ich gestern per Zufall den Disput eines der neuen BT-Autoren mit einem langjährigen Leser auf. Man warf sich gegenseitig Unwissenheit und Infantilität vor. Es endete mit gegenseitigen Bekundungen größter Antipathie. Der eine werde BT nun nicht mehr lesen, sagt er. Der andere entgegnete, darauf könne er auch verzichten.

Und plötzlich fühlte ich mich an die Zeit „damals“ und daran erinnert, was mich letztendlich dazu bewogen hat zu gehen. Es gibt einige Gründe, über die ich nicht sprechen werde, ein weiterer Grund war – das habe ich zum Schluss immer mehr gemerkt – dass ich aus dem täglichen Hamsterrad heraus wollte. Mag man die tägliche Jagd nach den allerneuesten Themen, muss man dafür der Typ sein. Ich bin es nicht. Das ist keine Kritik an Basic Thinking! Sicher findet ihr dort nicht das Paradies und wie in jedem Betrieb gibt es dort keinen bunten Regenbogen, um den die Einhörner tanzen. Aber als Redakteur hat man dort eine große Freiheit, was Themenauswahl und Sprachstil anbelangt. Ich kenne Strukturen, die weitaus schlechter sind. Das neue Team macht einen guten Job, man sucht derzeit noch Verstärkung. Wer diese tägliche Jagd mag, dem kann ich OK/BT als Arbeitgeber empfehlen. Go there, do it!

Einer der Hauptgründe, aus denen ich gegangen bin, ist letztlich dieser oben beschriebene tägliche Hass – beinahe egal, was man schreibt. Kommentator gegen Autor, Kommentator gegen Kommentator, manchmal auch – wenn es zu viel wird – Autor gegen Kommentator. Ja, ich hab darunter gelitten. Das mag daran liegen, dass ich vielleicht nicht so tough bin, wie ich gerne wäre. Das mag aber auch daran liegen, dass es mir in erster Linie nur darum ging, gute Geschichten auszugraben, spannende Texte zu schreiben, ein wenig Meinung kund zu tun, zu überlegen, wie die Zukunft aussehen könnte. Bloggen eben. Aber egal was, egal wie. Unter beinahe jedem Beitrag schlug mir vom ersten Tag an der blanke Hass entgegen, der sehr oft ins Persönliche ging. Mit welcher Berechtigung eigentlich? Niemand kannte mich persönlich. Ich konnte mich auch nicht daran erinnern, in meinem bisherigen Leben besonders viele Feinde angehäuft zu haben. Ich halte mich für einen halbwegs umgänglichen, nicht sonderlich arroganten Menschen. Ich hatte niemandem etwas getan. Woher kam diese Wut? Weiterlesen

Als Deutscher in Zürich

Alles so modern hier. Schon die Shoppingmeile im Flughafen. Oder im Hauptbahnhof. Die Flughafenbahn – in zehn Minuten am Hauptbahnhof. Die Schweizer – fast ausnahmslos gut gekleidet. Hier ist Service noch Service. In Gastronomie und Geschäften kümmert man sich sehr zuvorkommend um die geschätzten Kunden.

Und, ach du Schreck, ist das teuer hier! Ein belegtes Brötchen zum Frühstück 4,30 SFr.

Zürich erinnert mich immer ein wenig an Bonn: nicht viel größer, zwei Flussseiten, eine hübsche Altstadt, doch viel moderner. Die Straßenbahnen fahren in dem dichten Netz fast pausenlos auch noch spät nachts. Spannenderweise fahren auch die Busse mit Stromabnehmern an der Oberleitung.

Und, oh mein Gott, habe ich gerade wirklich umgerechnet 25 Euro für ein handelsübliches Abendessen mit einem kleinen Getränk bezahlt?

Die Schweizer, die ich traf – ausnahmslos nett, aufgeschlossen und mit einem Sinn für Humor, der mir sehr gefällt. Ein kleiner Scherz auf ihre Kosten, wird keck gekontert. Man ist nicht verlegen, über die eigene Mentalität zu reden. Man nimmt sich selbst nicht so ernst, lässt es auch mal etwas ruhiger angehen. Sehr angenehm.

Und, Teufel noch eins, will der Kellner wirklich 9 Franken für ein Bier haben?

Es nützt nichts. Zürich ist eine wunderschöne Stadt, meine Kollegen sehr herzlich. Aber am Ende dreht sich für einen deutschen Touristen doch alles um die sehr hohen Lebenserhaltungskosten der Stadt. Ich konnte es in den drei Tagen vor Ort – man möge mir verzeihen – leider nicht abstellen.

Ein Abend in Berlin

… und plötzlich ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten:

  • Die Möglichkeit, mich mit einer international bekannten Popsängerin fotografieren zu lassen
  • Die Möglichkeit, ein gebrauchtes Android-Smartphone für halbwegs schmales Geld zu erwerben
  • Die Möglichkeit, mit einem Galileo-Moderator einen zusammen zu trinken
  • Die Möglichkeit, gegen den deutschen Meister im Tischfußball anzutreten
  • Die Möglichkeit, mit funkygen Agenturmitarbeitern spät nachts noch auf Kosten der Firma Party zu machen
  • Die Möglichkeit, mit ebenso sympathischen wie trinkfesten Techbloggern um die Häuser zu ziehen
  • Die Möglichkeit, einen interessanten Bericht als erster zu veröffentlichen, der am nächsten Tag vermutlich zahlreich verlinkt worden wäre
  • Die Möglichkeit, Kontakte zu wichtigen Redaktionsleitern und Agenturmitarbeitern zu knüpfen
  • Das Angebot, die Serie eines TV-Regisseurs noch vor der Ausstrahlung zu sehen

Einige dieser Angebote nahm ich an, bei anderen bin ich froh, sie ausgeschlagen zu haben, und bei wieder anderen freue ich mich allein darüber, dass sie sich überhaupt ergaben.

Windows 8

Windows 8 ist da. Gleich mehrere Leute haben mich gefragt: „Brauche ich das?“ Klare Antwort: Nein, braucht ihr nicht zwingend. Windows 7 ist das derzeit beste mir bekannte Desktop-Betriebssystem, es läuft stabil, es lässt sich gut damit arbeiten. Wer sich damit wohl fühlt, produktiv ist, der bleibe dabei.

Wechseln müsst ihr nicht, aber Windows 8 macht wirklich Spaß. Der Startbildschirm mit den quietschebunten Kacheln mag gewöhnungsbedürftig sein, aber jede einzelne für das System optimierte App wirkte im Aussehen derart frisch und modern, dass einem Apples neueste Mac-OS-Version wie ein Relikt aus alten Tagen vorkommt. Microsoft hatte hier die besten Designer am Werk. Kleine Details wie die Gestenanmeldung oder der Aufruf von Apps, wenn man einfach drauflos tippt. Ach, die ganze Bedienung. Das wirkt durchdacht, neu. Das macht Spaß. Wer etwas Revolutionäres will, der sollte umsteigen. Einmal bei Windows 8 eingelebt, werdet ihr Windows 7 so schnell nicht wiedersehen wollen. Weiterlesen

Drei Jahre von „Elitär“ bis „Alltag“

Ein Early Adopter war ich nicht, okay. Und es dauerte Minuten, bis das Bild letztendlich hochgeladen war. Wie viele Megabyte es wohl fressen würde, und ob jemals versendet würde, hier draußen, so weit ab vom Schuss? Ich kurvte ein wenig durch Bonn und fand das alte Poststadion, das damals Brachland war und einige Monate später einem Einkaufszentrum wich. Ich schoss ein Foto mit meinem damals brandneuen iPhone 3GS und lud es sofort über die Posterous-App hoch, die den Status automatisch mit Facebook und Twitter teilen würde. Gespannt schaute ich zu Hause am Rechner, wie das Bild wohl in der Facebook-Timeline aussehen würde.

Gerade einmal drei Jahre ist das jetzt her. Weiterlesen

Goodbye and hello

Am Freitag der Abschied bei Basic Thinking, ab November geht es für mich weiter für Blogwerk (Neuderdings.com und Netzwertig.com) und nebenbei noch einige weitere Projekte. Ich glaube, das wird gut werden.

In den nächsten zehn Tagen habe ich Urlaub, was bedeutet: ich organisiere mich neu, lade den Akku ein wenig auf – und fahre jeweils zu den Premieren von Windows 8 (Berlin) und Windows Phone 8 (München). Vielleicht sieht man sich dort. Ein schönes Gefühl, ganz entspannt zu solchen Veranstaltung zu reisen, ohne etwas schreiben zu müssen. 😉

Hamsterrad

Sehr interessantes Interview mit Ryan Holiday, das ich heute in der „FTD“ las. Gefunden zunächst in der „W&V Morgenpost“:

Oder auch anders ausgedrückt, Holiday im FTD-Interview:

Nun, vor allem Onlinemedien müssen 24 Stunden am Tag Inhalte liefern. Das setzt falsche Anreize: Für Journalisten lohnt es sich eher, zu spekulieren und Texte einfach rauszuhauen – als womöglich nichts zu schreiben über eine Geschichte, in die sie Zeit investiert haben, die sich aber als haltlos erweist. Sie müssen ein Fass ohne Boden füllen. In ihrer Verzweiflung greifen sie sogar auf offensichtlich gefälschte Geschichten zurück – wenn sie gut erfunden sind. Und da komme ich ins Spiel.

Und was ich fast am interessantesten finde: Was die „W&V Morgenpost“ im obigen Zitat mit „(…)“ herausgekürzt hat. Holiday:

Wir haben in den USA ein System von Blogs, die eigentlich Medienunternehmen sind, mit Bloggern, deren Bezahlung sich nach dem generierten Traffic richtet.

Nur in den USA? Träumt weiter! Und wenn nicht nach Traffic, dann richtet sich die Bezahlung oft nach der Zahl der Wörter.

Bevor ihr jetzt Online-Journalisten und Bloggern oder auch den Verlagschefs an die Kehle springt, denkt daran: So ein System baut niemand alleine auf. Es entwickelt sich über die Jahre und jeder spielt mit, weil er muss. Mal eben aussteigen und alles anders machen? Geht nicht von heute auf morgen. Immerhin, und das ist die gute Nachricht: Zu jedem Trend gesellt sich früher oder später ein Gegentrend. Irgendwann, wenn man der ganzen Soße überdrüssig geworden ist, schlägt das Pendel um. Dauert nicht mehr lange.

P.S. Die Bezeichnung „Hamsterrad“ stammt übrigens aus einem Interview, das ich kürzlich noch auf Basic Thinking mit dem Journalisten Thomas Reintjes führte. Der ist leider mit dem Versuch, ein Crowdfunding-Portal für Qualitätsjournalismus zu finanzieren (Feodo) mangels Interesses im ersten Versuch gescheitert.

Immerhin, er versucht es weiter!